Ava und die Rückkehr der Farben
- Eliane Fischer
- 11. Apr. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Mit "Ava und die Rückkehr der Farben" präsentieren uns Annika Klee und Stella Eich den fünften Band der "Wunderbare Wesen"-Reihe und rücken das Thema Flucht und Migration in den Fokus.

Aus der "Wunderbare Wesen"-Reihe von Autorin Annika Klee und Illustratorin Stella Eich habe ich euch auf dem Blog bereits "Ellas Elfentanz" vorgestellt. Wie in den Vorgängerbänden steht auch in "Ava und die Rückkehr der Farben" ein Kind aus einer Schulklasse im Fokus, die wir so nach und nach kennenlernen.
Ava liebt es zu malen und zwar in den wunderbarsten, sattesten Farben auf strahlend weissem Papier. Sie lässt ihrer Kreativität freien Lauf und drückt so ihre Stimmung aus. Überhaupt verbindet sie Farben stark mit Gefühlen. Am Tag, an dem sie von einem Baum fiel und 13 Mal im Bohnenspiel verlor, war alles grau. Als Avas Mama ihr über den Rücken strich, wurde alles wieder wohlig warm und gelb.
Wenn die Welt grau und matt wird
Doch eines Tages wird Avas Welt komplett grau. Sie und ihre Mama müssen in ein anderes Land ziehen. Wir erfahren im Buch nicht direkt, was der Grund für den Umzug ist. Für Erwachsene liegt die Vermutung nahe, dass es mit einem Krieg oder sonst einem gewaltsamem Konflikt zu tun haben könnte. Kinder werden wohl nur eine diffuse Bedrohung spüren.
Zum Glück findet Ava in der neuen Klasse neue Freund*innen, besonders Jule wird zu ihrer besten Freundin. Doch die Farben sind einfach nicht mehr dieselben. Sie leuchten nicht mehr, sind nicht mehr satt, sondern matt und fahl. Ava merkt, dass es am grauen Hintergrund liegen muss. Es liegt gar nicht an den Farben selbst, sondern am fehlenden weissen Hintergrund.
Ava schafft es, sich ihren Klassenkamerad*innen zu öffnen und die setzen alles daran, Ava ihre leuchtenden Farben zurückzugeben. Wie sie das genau anstellen, erfahrt ihr in "Ava und die Rückkehr der Farben".
Ein kunterbuntes Leben in Sicherheit und Frieden
Annika Klees Geschichte arbeitet stark metaphorisch. Die mehr oder weniger bunten Farben und der weisse bzw. graue Hintergrund sind nicht nur mit bestimmten Gefühlen verknüpft, sondern auch mit einem mehr oder weniger sicheren und geborgenen Umfeld. So stehen weiss und bunt für ein Leben in Sicherheit und voller Lebensfreude. Das Grau und die gedeckten Farben verbildlichen Avas Sorgen und die Unsicherheit auf der Flucht und in einem neuen Umfeld. Indem sie in der neuen Klasse Freund*innen findet, sich ihnen öffnen kann und die Freund*innen ihr Sicherheit und Frieden vermitteln können, überwindet sie das Trauma der Flucht und findet neue Lebensfreude und damit auch ihre Lebensfarben wieder.
War ich in "Ellas Elfentanz" mit einigen Reimen nicht ganz glücklich, finde ich sie hier viel besser gelungen. "Ava und die Rückkehr der Farben" bietet deshalb viel Freude beim Vorlesen (ab ca. 3 Jahren) oder zum Selberlesen (ab ca. 6 Jahren). Gestalterisch überzeugen die Illustrationen von Stella Eich einmal mehr mit ihrem zarten, detailreichen Stil und der abgebildeten Vielfalt in Sachen Hauttöne, Haarfarben und körperliche Behinderungen.
Wie immer ist die Produktion des Buches rundum nachhaltig und mit dem Kauf unterstützt man eine soziale Institution, dieses Mal den Kinderschutzbund, der sich für die Kinderrechte in Deutschland einsetzt.
Fazit
Mit "Ava und die Rückkehr der Farben" nähern sich Annika Klee und Stella Eich wunderbar feinfühlig dem Thema Flucht und Migration. Durch die Metapher der Farben, werden Avas Gefühle schon für kleine Kinder nachvollziehbar und bieten auch für grössere Kinder einen guten Gesprächsanlass.
Die Fakten
Annika Klee (Text)
Stella Eich (Ilustration)
Jupitermond Verlag
32 Seiten
Erschienen am 30.03.2023
Hardcover
ISBN: 978-3-949239-20-5
Ab 3 Jahren zum Vorlesen, ab 6 Jahren zum Selberlesen
PS: Herzlichen Dank an den Jupitermond Verlag für das digitale Rezensionsexemplar und die zur Verfügung gestellten Bilder.
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